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Im Interview: Ingo Maurer

Designer

Vermutlich werden Sie das immer wieder gefragt, wir wollen es dennoch direkt von Ihnen wissen: Warum Licht?
Vielleicht war es Zufall, dass mich die Idee für die „Bulb“, meine erste Leuchte, an Licht als gestalterisches Material herangeführt hat? Die Beschäftigung mit Licht ist faszinierend.

In einem Interview haben Sie einmal die Entstehungsgeschichte eines Ihres größten Erfolges, der Leuchte Bulb, geschildert (Stichwort: nach einer Flasche Wein in einem billigen Hotelzimmer). Fallen Ihnen Ihre Entwürfe immer so leicht?
Nein, das kann man nicht sagen. Mit manchen Ideen gehe ich lange ‚schwanger‘. Zum Beispiel die „Lacrime del Pescatore“, ein Lichtobjekt aus drei Nylonnetzten, Kristallen und einem Strahler. Diese Idee habe ich Jahrzehnte mit mir herumgetragen, bevor ich sie realisiert habe.


Was macht Licht zu so einem wichtigen Element in geschlossenen Räumen?

Mit Licht kann man die Atmosphäre in Räumen gestalten. Natürlich haben auch die Proportionen eines Raums und die Materialen, die Gestaltung des Bodens und der Wände einen großen Einfluss, aber das Licht kann man viel leichter verändern und innerhalb von Sekunden einen anderen Eindruck schaffen. Oft reicht es, eine oder zwei Lampen aufzustellen, zu dimmen oder auch das Leuchtmittel zu wechseln. Die Farbwiedergabe sollte sehr gut sein. Sonst hat man dieses fahle, nichtssagende Licht.


All Ihre Leuchten haben ausgefallene, extravagante Namen. Was hat es damit auf sich?

Ich finde es schön, die Menschen fröhlich und glücklich zu machen. Ein Wortspiel, eine Lautmalerei können dazu beitragen. Aber ich achte sehr darauf, dass die Namen nicht willkürlich sind, sondern selber auch einen Bezug zum Entwurf haben und Teil der Entstehungsgeschichte sind.

Neben dem Entwurf von Leuchten planen Sie auch ganze Großprojekte weltweit. Inwieweit ist die Herangehensweise hier eine andere?
Bei den Projekten weiß man von Anfang an, für welchen Ort und oft auch, für welche Personen die Entwürfe sein werden. Es ist wichtig, ein Gespür für das Projekt zu entwickeln. Das heißt natürlich nicht, dass man sich den Erwartungen anpasst, sondern diese aufnimmt, weiterentwickelt, manchmal auch widerspricht, überrascht…

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Von allem und von nichts.


Wenn Sie heute noch einmal einen Schwerpunkt legen könnten, wäre es immer noch Licht? Oder werden andere Gegenstände für Sie zunehmend spannender?

Nein, ich finde Licht nach wie vor sehr spannend.


Wie würden Sie selbst Ihren Stil beschreiben?

Ich verzichte darauf, meinen Stil oder meine Philosophie zu beschreiben, das Analysieren überlasse ich lieber den Kritikern und Kunstgeschichtlern.


Wo entwickelt sich das Lichtdesign aktuell hin?

Wenn man sich etwas auf Messen wie der Euroluce umsieht, hat man den Eindruck, dass es inzwischen alles gibt, Gutes, Technisches, Schlichtes, Verspieltes, Schönes und auch Hässliches. Aber ich habe meist nicht so viel Zeit, mich umzusehen.


Welches Projekt würden Sie am liebsten jetzt sofort realisieren, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Das Broken Egg in Brasilien. Es ist ein großes Auditorium im Kunstpark Inhotim bei Belo Horizonte, das von außen wie ein gigantische Ei aussieht und auf einer Plattform neben einem künstlichen See liegt. Leider geht es zurzeit nicht voran mit dem Bau.


Ingo Maurer privat: Was wäre für einen Besucher die größte Überraschung in Ihren eigenen Wohnräumen?

Das bleibt mein Geheimnis.


85 Jahre und den Jungen immer um eine Nase voraus in Sachen Trends und Ideen. Wie schaffen Sie das?

Neugier. Neugier und Freude an Neuem ist nicht vom Alter abhängig.


Wir danken für dieses Interview und wünschen Ihnen einen guten Start in ein wundervolles neues Lebensjahr!

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