Hier können Sie sich in Ihrem Benutzerkonto einloggen.

Ruhe finden: Tipps für mehr Achtsamkeit im Alltag

27. Januar 2021 / Freizeit
 Mindfulness Presenter
  • Diese Produkte anzeigen
  • Auf die Wunschliste

Druck in der momentanen Zeit

Lockdown, Home-Office, Homeschooling – die Herausforderungen im Alltag sind aktuell größer als jemals zuvor. Wir erklären, warum es deswegen so extrem wichtig ist, sich regelmäßige Auszeiten nur mit sich selbst zu gönnen: Mit einer Ärztin haben wir über das Thema Achtsamkeit gesprochen und unser Team verrät einfache Rituale und Tipps, die sie selber im Alltag anwenden.

 

Achtsamkeit ist wichtig

Hand aufs Herz: Hatten Sie heute schon Zeit mit und für sich selbst? Die sogenannte Me-Time, ein unerlässlicher Bestandteil, wenn es um das Thema „Mindfulness“, zu Deutsch: Achtsamkeit, geht.

Tatsächlich sind wir aktuell so vielen äußeren und nicht mitbestimmbaren Einflüssen ausgesetzt, dass diese Form der Aufmerksamkeit für uns selbst immer wichtiger wird. In der buddhistischen Lehre und Meditationspraxis schon lange fest verankert, tun sich aber dennoch sehr viele Menschen extrem schwer damit, sich selbst die gleiche und intensive Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen wie ihren Mitmenschen.

Warum das krank und unglücklich machen kann und wie wir den Teufelskreis aus Stress, Hektik und dem Fokus auf Außen unterbrechen können, verrät uns Frau Dr. Maier-Heinle aus München. Die Fachärztin für Innere Medizin ist außerdem in den Bereichen Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin, klassische Homöopathie und Hypnotherapie ausgebildet und verfolgt damit einen holistischen Ansatz – immer mit dem Ziel, Körper und Seele in einem gesunden Gleichgewicht zu halten und ihren Patienten damit ein Maximum an Lebensqualität zur Verfügung zu stellen.

Im Gespräch mit Frau Dr. Maier-Heinle aus München

Ihr holistischer Ansatz verrät es: Die Gesundheit eines Menschen hängt nicht nur vom Funktionieren seines Körpers ab, auch die Seele muss ihren Beitrag leisten. Ist das Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass sich immer mehr Menschen auf sich besinnen und gegen ein reines Funktionieren rebellieren?

Das stimmt absolut! Wobei ich den Ansatz, den Körper und die Energie, die ihn antreibt, trennen zu wollen, nie verstanden habe. Körper und Seele sind, zumindest so lange ein Mensch lebt, eine Einheit ­­– keine voneinander getrennten Teile.

Es ist meines Erachtens eine seltsame Fehlentwicklung, den Menschen auf Teil-Funktionen reduzieren zu wollen, als Roboter-ähnliche Nutzkreatur, die jederzeit einsatzfähig sein soll. Da wundert es mich nicht, dass immer mehr Menschen diese Haltung ablehnen.

 

Was verstehen Sie als klassische Medizinerin unter dem Begriff „Mindfulness“?

Achtsamkeit trifft es schon sehr gut. Grundsätzlich denke ich, dass viele Menschen auch von sich aus achtsam sind, sobald man ihnen den Raum dazu lässt. Das wird allerdings immer problematischer in unserer Zeit, der permanenten Berieselung aus allen Ecken. Einem nahezu schon pathologischen Drang von Seiten der Politik, Wirtschaft oder Bildungsindustrie, alles zu verflachen, vereinheitlichen und in eine möglichst funktionale, konsumfreudige Haltung zu bringen. Der Druck, sich in die Konsum- und Leistungsgesellschaft als nützliches Mitglied einzubringen, ist generell sehr hoch.

 

Was raten Sie Menschen, deren Work-Life-Balance ganz offensichtlich außer Kontrolle geraten ist?

Erst einmal, wenn irgendwie möglich, zur Ruhe zu kommen, auch mit Hilfe, wenn gewünscht. Dann beginnen zu hinterfragen, welche Motive und Mechanismen hinter dem Verhalten liegen, das zur Schieflage im Leben führte, und den gefühlten Kontrollverlust betrachten. Versuchen zu verstehen, wie es zum Verlust der Achtsamkeit gekommen ist und welche Möglichkeiten es gibt, die Balance wieder zu finden. Das ist kein schneller Prozess, es gibt keine probaten Instant-Lösungen für komplexe Probleme.

 

Sind Sie der Meinung, dass ein bewussterer Umgang mit sich, seinem Körper und der Psyche bestimmten Krankheiten vorbeugen kann?

Dazu gibt es sogar wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse:

  • Ausreichend Schlaf
  • nur geringe, verträgliche Mengen an Schadstoffen
  • ausreichend, aber auch nicht zu viel Bewegung
  • eine gute soziale Einbindung an den/die Partner/in und/oder einen kleinen, verlässlichen Familien- und Freundeskreis (wobei Familie nicht zwangsläufig die Herkunftsfamilie sein muss, und virtuelle „Friends“ damit nicht gemeint sind)
  • gegenseitiger Respekt und Achtsamkeit (das heißt, auch die eigene Individualität und das individuell-Sein der Anderen im Vergleich respektieren und akzeptieren)
  • ausreichende Erholungsphasen
  • eine Verbindung zu Natur
  • (und bei durchaus vielen Menschen) Kontakt zu Tieren fördern die Gesundheit und halten gesund.

 

Das konstruktive Bearbeiten von Problemen spielt übrigens ebenfalls eine enorm wichtige Rolle. Dass bei nahezu niemandem alle diese Faktoren erfüllt sind und auch nicht erfüllt sein müssen, versteht sich von selbst. Also bitte keine Minderwertigkeitsgefühle, wenn die Liste nicht erfolgreich „abgehakt“ werden kann. Das Leben ist für alle ein kontinuierlicher Lern-Prozess und keine vorgefertigte Erfolgsstory, und die hier aufgeführten positiven Aspekte sind unterschiedlich wichtig für jeden Einzelnen.

 

Welche Signale meines Körpers/meiner Seele sollten mich wachrütteln?

Gereiztheit, Schlafstörungen, zu wenig Schlaf, Erschöpfungsgefühle, Gedankenkreisen ohne Lösungsansätze, Herzrasen, Schmerzen oder Unwohlsein, die immer wieder auftreten, Appetitlosigkeit ebenso wie unmäßiger Hunger und häufige Infekte sind beispielsweise alarmierende Zeichen, dass etwas verändert werden sollte.

 

Inwiefern spielt im Kontext Mindfulness auch Ernährung eine Rolle?

Es gibt diesen alten, überspitzen Werbespruch von Wasa: „Du bist, was Du isst“. Das ist im Kern durchaus zutreffend. Zuviel, zu wenig, zu einseitig, zu Chemikalien- und Schadstoff-behaftet, qualitativ schlecht produziert, mit zu geringen qualitativ hochwertigen Inhaltsstoffen und nahezu keinen Vitaminen und Ballaststoffen mehr, das spielt durchaus eine Rolle für die Gesundheit. Hier achtsam zu sein, rentiert sich in jedem Fall, die gelegentliche „Sünde“ mal ausgenommen.

Enjoy yourself

Sie haben es gehört: Die Zeit mit uns selbst ist die wichtigste. Damit Sie diese auch so intensiv wie möglich genießen können, haben wir uns in der Redaktion umgehört und sind auf weitere Achtsamkeitsrituale gestoßen, die beim Entspannen mit sich selbst durchaus helfen können.

 

Laurie Hilbig, freie Redakteurin

Es klingt total simpel, aber beim Thema Achtsamkeit spielt die Atmung für mich eine sehr wichtige Rolle. Am Schreibtisch neige ich dazu, eine ungesunde Haltung einzunehmen, mich zu verspannen und nur noch flach zu atmen. Ein bis zweimal täglich benutze ich eine App namens Vagusvit. Eine Übung dauert zehn Minuten. Der Sprecher sagt einfach nur: "Und einatmen. Und ausatmen." Wie schnell oder langsam, das kann ich vorher einstellen. Mir hilft es enorm – auch vor dem Einschlafen. Außerdem setze ich auf einen täglichen Spaziergang für eine Stunde und alle paar Tage Yoga mit betont langsam, fast in Zeitlupe ausgeführten Übungen. Das hilft mir, bei mir selbst zu sein und ein gutes Körpergefühl zu bekommen.

 

Anne Berwanger, Freie Autorin

Als absoluter Genussmensch versuche ich, meine Auszeit von Familie, Job und sonstigen Verpflichtungen so sinnesreich wie möglich zu gestalten. Allein meine Wahrnehmung von Gerüchen, Geräuschen, visuellen Eindrücken etc. ist viel intensiver als zwischen Tür und Angel, wenn mein Sohn nach mir ruft oder der Hund auf Futter wartet. Insofern fahre ich dann allein für mich das volle Genussprogramm auf: Lieblingsduftkerzen anzünden, schöne Musik hören, das bewusst genossene Glas Wein, ein liebevoll gekochtes Essen, danach einen schönen Film schauen... Ich bin immer wieder erstaunt, wenn andere dann sagen: „Wie, du kochst für dich alleine?“. Natürlich, das gehört ja zum Verwöhnen dazu. Me-Time ist der absolute Luxus für mich, den ich mit allen Mitteln zelebriere. Wenn das im Alltag nicht möglich ist, tut es auch ein Spaziergang mit meinem Hund oder eine Stunde auf dem Rennrad zum nahegelegenen See. Ganz wichtig dabei: Nicht sprechen und die Ruhe bewusst wahrnehmen.

 

Verena Kobler, Senior UX-Manager

Ich versuche, Multitasking bewusst zu vermeiden. Dazu akzeptiere ich das Gefühl, nicht alles machen zu können, was ich möchte. Meine Zeit ist nun mal begrenzt.

Früher habe ich zum Beispiel oft neben dem Fernsehen noch mit dem Laptop oder Smartphone gesurft. Dann hatte ich irgendwann das Gefühl, mich nicht mehr wirklich auf eine Sache allein konzentrieren zu können. Wenn ich etwa einen Text gelesen habe, habe ich nur noch quergelesen und mir nicht mehr die Zeit genommen, wirklich zu lesen, was da steht.

Dann habe ich gemerkt, dass mich das nicht glücklich macht: Selbst wenn ich mich mit etwas beschäftigt habe, das mir eigentlich Spaß macht, hatte ich das Gefühl, eigentlich noch „produktiver“ sein zu müssen. Seitdem zwinge ich mich, nur noch eine Sache bewusst zu machen, und dadurch geht es mir besser. Das einzige Multitasking, das ich mir bewusst gönne, ist das Musikhören während des Kochens, denn das entspannt mich ungemein.

 

Noch mehr Inspiration gefällig? Mit diesen konkreten Helfern genießt die Redaktion: