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Kunst als Geldanlage

20. Februar 2020 / Kultur
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In Kunst investieren

Ein Leben mit Kunst aus purer Leidenschaft: Vanessa Métayer ist seit 17 Jahren im Pariser Kunst- und Auktionshandel tätig und damit täglich auf der Suche nach Unikaten, Kuriositäten, Kunstwerken und Sammlerstücken aus verschiedenen Epochen und Kulturen, die sie in Form von Pop-Up-Ausstellungen in europäischen Städten und in ihren Showrooms in Paris und München präsentiert. Nachdem sie uns bereits im Rahmen einer Homestory bei ihr zuhause verzaubert hat, haben wir noch einmal das Gespräch gesucht – diesmal allerdings mit einem ganz anderen Schwerpunkt, nämlich Kunst als Geldanlage. Spannend, was wir hier zu hören bekommen haben...

Foto: Roger Weber

Wann genau lässt sich Kunst als eine Investition betrachten?

Rekorde im Kunsthandel machen immer wieder Schlagzeilen. Geschichten über explodierende Preise für Kunst und ihren Profit. Aber wo liegt der Wert beim Kauf der Kunst? Kunst bringt immerhin die Seele in den Raum, eine Persönlichkeit zum Ausdruck, Emotionen ins Spiel. Daher finde ich es an erster Stelle wichtig, die Kunst am Wert des Wohlbefindens zu messen, der für mich stetig und steigernd sein sollte.

Wenn man jedoch Kunst als reine Investition betrachten möchte, muss sich der Wert des Werkes im Laufe der Zeit im Auktionshandel positiv entwickeln. Der Auktionshandel widerspiegelt den Wertverlauf und daraus entsteht der Index der Künstler.

 

 

Auf was ist beim Kauf eines Objektes zu achten?

Es mag einem vielleicht manchmal vorkommen, als ob die Preise willkürlich gesetzt werden. Jedes Objekt wird jedoch sorgfältig nach dessen Qualität, Zustand, Authentizität und Herkunft betrachtet. Daher sollte man diese Aspekte abschätzen.

Besonders oft spielt die Herkunft eine Rolle, da es von Vorteil ist, wenn das Objekt direkt aus dem Künstleratelier oder dessen Familie stammt, oder aus einer langjährigen Privatsammlung. Teilweise ist es auch wertsteigernd, alte Etiketten auf den Werken vorzufinden, die auf vorige Ausstellungen hinweisen.

Fotos: Christine Bauer

In welche Kunst beziehungsweise in welche Künstler würdest du als Fachfrau aktuell investieren und warum?

In Werke von Künstlern, die noch nicht ins Rampenlicht gerückt wurden, jedoch absolute Avantgardisten ihrer Zeit waren. Künstler, bei denen man spürt, dass demnächst eins der einflussreichen Modern Art Museen eine Ausstellung widmet, oder auch ein Kunstbuch über ihr Lebenswerk verfasst wird. Künstler, welche sich schon zu Lebzeiten einen Namen in der Künstlerszene machen konnten, sich in angesehen Kreisen bewegten und beeinflussen ließen. Von Interesse ist es aber auch, wenn die Werke des Künstlers in Sammlungen von Museen schon vertreten sind oder in bekannten Kunstsammlungen.

 

In welche Kunst würdest du persönlich gerne als nächstes investieren?

‚Das Objekt findet mich‘: Ich lass mich also immer gerne überraschen.

 

Wie gehe ich mit einem Kunstwerk um, das ich als Investition gekauft habe? Darf es „altern“ beziehungsweise genutzt werden oder verliert es damit an Wert?

Ich finde es wichtig mit der Kunst zu leben und sie leben zu lassen. Antiquitäten, Vintage-Möbel oder zum Beispiel alte Masken bekommen meistens Dank ihrer Nutzung ihre Patina, ihre Geschichte und Aura.

Es ist jedoch schwierig, dieses Thema zu verallgemeinern, da die Kunstwerke aus so vielen verschiedenen Materialien bestehen. Zum Beispiel sollte man Zeichnungen und Fotografien nicht im direkten Sonnenlicht aufhängen; oder was ich auch noch interessant zu wissen finde, ist, dass der Mond noch stärker Farben ausbleichen kann als das Sonnenlicht. Also, im besten Falle holt man sich Rat bei einem Experten.  

 

Warum haben deiner Meinung nach so viele Menschen Berührungsängste beim Thema Kunst als Geldanlage?

Ich nehme an, dass es vielen an Wissen fehlt und es leider sehr viele Fälschungen auf dem Markt gibt, welche potenzielle Interessenten verunsichern. Der Kunstmarkt ist jedoch auch wie die Börse: ein Handel mit Spekulationen.

 

Wie kann ich mich im Kunstbereich vor einem Fehlkauf schützen?

Ich rate im Allgemeinen, sich immer ein Zertifikat oder eine Rechnung ausstellen zu lassen, da man im Falle einer Fälschung den Kunsthändler anfechten kann. Am besten holt man sich auch hier immer einen Kunst-Experten hinzu.

 

Als Kunsthistorikerin betreibst du nicht nur zwei Showrooms in Paris und München mit ausgesuchten Vintage- und antiken Stücken, sondern berätst auch bei der Einrichtung von öffentlichen und Privaträumen. Nach welchen Kriterien wählst du hier die Interior Pieces aus?

Ich gehe auf die Architektur eines Raumes ein und unterstütze damit einen Dialog zwischen den Objekten und Möbel. Gerne lasse ich auch die Geschichte meines Kunden, seine Kultur, Reisen, Inspirationen im Interior wiederspiegeln.

Zugleich liebe ich es, eine gewisse Spannung dank meiner Auswahl von Objekten, Materialien, Formen, Farben in den Raum zu bringen, die jedoch wieder im Ganzen harmoniert.

 

Liebe Vanessa, wir danken dir sehr für dieses spannende und informative Interview! Mehr Informationen unter https://www.insighter.paris/

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