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Ausstellungstipp: Thonet und Design

4. Dezember 2019 / Kultur
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200 Jahre Thonet – bis Februar 2020

200 Jahre Thonet – das allein ist schon Grund genug zur Freude unter Design-Fans. Aber das Unternehmen setzt noch eins drauf und hat anlässlich des Jubiläums den Münchner Produktdesigner Steffen Kehrle eingeladen, in einer Neuinszenierung eine Ausstellung von Thonet-Möbeln für Die Neue Sammlung – The Design Museum zu entwickeln.

Mit rund 400 Objekten besitzt die Neue Sammlung damit eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen von Thonet-Möbeln, die zum Einen die Entwicklung von Sitzmöbeln spiegeln, zum Anderen ein wichtiges Kapitel der europäischen Unternehmensgeschichte repräsentieren.

Die Ausstellung stellt die Pionierleistungen von Thonet auf dem Gebiet der Entwicklung von Bugholzmöbeln und Stahlrohrmöbeln dar, legt aber auch einen Fokus auf die Entwürfe seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und stellt hier vor allem die jüngeren Modelle vor.

Thonet – eine beispiellose Historie

Michael Thonet (1796-1871) galt als Wegbereiter der Bugholzmöbel. Der aus Boppard stammende, seit 1842 in Wien lebende Schreinermeister setzte bleibende Maßstäbe für die Formgebung des Maschinen- und Industriezeitalters. Während seine Konkurrenten mit Hilfe von Drechsel- und Schnitzmaschinen historische Formen nachahmten, ging Thonet einen völlig neuen Weg. Er schuf sein fundamental modernes Formenrepertoire aus den von ihm selbst entwickelten neuen technologischen und produktionstechnischen Möglichkeiten. Dabei verwirklichte Thonet ein zukunftweisendes Prinzip: Form als Ergebnis industrieller Fertigungsmethoden.

Good to know: Das Thonet-Verfahren

Die besondere Leistung Thonets bestand in seinem Verfahren, Buchenholzstäbe unter Dampfeinwirkung und Druck in geschwungene Formen zu biegen – ein Verfahren, das sich damals bestens für die Serienproduktion eignete. Neu war außerdem, dass die Einzelteile nicht mehr verleimt, sondern geschraubt wurden. So ließen sich die Stühle zerlegt verschicken.

Exportschlager Thonet

Die weitblickende kaufmännische Strategie und Vertriebspolitik machten das Unternehmen Thonet zu einem in der damaligen Zeit einzigartigen Phänomen. Das Unternehmen exportierte in alle Welt. Bis zum Ersten Weltkrieg kamen über 1400 verschiedene Modelle auf den Markt. Trotz der Fülle an Modellen besaßen viele Möbel standardisierte Elemente, Typisierung und Serienproduktion erlaubten erschwingliche Preise. Das Konzept war überaus erfolgreich – der berühmte „Konsumsessel“ Nr. 14 wurde bis 1910 über 50 Millionen Mal verkauft.

Mies van der Rohe für Thonet

Ende der Zwanzigerjahre ging mit dem Aufkommen der Stahlrohrmöbel die Vorherrschaft der Bugholzmöbel zunächst zu Ende. Das Unternehmen konnte sich aber auch in diesem neuen Bereich gut positionieren: In den 1930er-Jahren war Thonet der weltweit größte Produzent von Stahlrohrmöbeln, deren Designs unter anderen von den berühmten Bauhäuslern wie Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer stammten. Die Einfachheit und die rechtwinkligen Konstruktionen der Möbel stellten ihre Funktionalität, Ergonomie und Ökonomie in den Vordergrund. In Abwendung von den Formen der Gründerzeit und des Jugendstils stehen sie auch heute noch mit ihrer industriell geprägten Formensprache für eine neue Zeit und eine Haltung, die die Gesellschaft positiv verändern wollte.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mit neuem Firmensitz im deutschen Frankenberg ist geprägt durch Designer wie Eddie Harlis und Verner Panton oder in der jüngeren Zeit durch Entwürfe von Norman Foster, Konstantin Grcic, Stefan Diez oder Sebastian Herkner.

Thonet in The Design Museum, Pinakothek der Moderne/München

Für die Ausstellungsinszenierung plante Kehrle einen hellen und klaren Raum, der sich durch weite Blicke und eine sachliche Präsentation der Exponate auszeichnet. Der in München lebende Produktdesigner ist in den Bereichen Industrie-, Ausstellungs- und Interior Design tätig und gründete 2009 das ASK (Atelier Steffen Kehrle).

Seine Suche nach neuen Typologien führte auch zu einem Entwurf für Die Neue Sammlung – The Design Museum: Kehrle hat für das Museum die sogenannte DNS-Chair-Reihe konzipiert, deren verschiedene Entwicklungsstufen in der Ausstellung auch gezeigt werden. Bei der DNS-Chair-Reihe steht die Funktion im Fokus der Gestaltung. Denn die Idee für diese Reihe entwickelte sich einerseits aus einem Mangel an Besucherstühlen im Designmuseum und andererseits aus der Zielsetzung, einen mobilen Stuhl mit einer besonderen Form auch für private und andere öffentliche Zwecke nutzen zu wollen.

Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München

Ausstellungsdauer: 17.05.2019 – 02.02.2020

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