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Foodtrends: Wie sich unser Essverhalten ändert

28. Mai 2020 / Food
00 Presenter
Text: Laurie Hilbig
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In aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes

Ein Marmeladenbrot zum Frühstück? Das ist mir zu simpel, zu nährstoffarm, nicht gesund genug. Auch ich gehöre zu denen, die Ernährungsbücher durchforsten und sich auf Instagram von durchtrainierten Damen in Yoga-Outfits inspirieren lassen.

Mein Frühstück heute morgen bestand also aus einem veganen Eiweißshake (der schmeckte sogar) und einer kleinen Scheibe glutenfreiem Vollkornbrot, das sechs verschiedene Samensorten enthielt. Dazu veganer Frischkäseaufstrich, auf Basis von Mandeln hergestellt.

Ja, das Thema Essen ist mir wichtig. Und so geht es vielen: Food hat sich innerhalb der letzten Jahre zu einem Megatrend entwickelt, wie der diesjährige Foodreport des Zukunftsinstituts verdeutlicht. Doch was hat die Foodbewegung beeinflusst? Und wie könnte Ernährung zukünftig aussehen?

Du bist was du isst

Vegan, gluten-, laktose- oder zuckerfrei, Paleo, Clean Eating und und und… Wir haben die Qual der Wahl, wenn wir auf Speisekarten in Restaurants und Cafés blicken oder auch wenn wir uns von Rezepten inspirieren lassen wollen. Gleichzeitig wissen viele von uns genau, was sie gerne mögen und was nicht. Menschen greifen beispielsweise verstärkter zu vegetarischen oder veganen Fleischersatzprodukten – der Lebensmitteleinzelhandel erwirtschaftete hiermit im Jahr 2019 ganze 212,3 Mio. Euro. *

Essen ist zum persönlichen Statement geworden, das nach außen getragen wird und Menschen verbindet. Gleichgesinnte, die eine ähnliche Ernährung bevorzugen, finden sich zusammen. Wir reden über Essen, tauschen uns darüber aus – persönlich oder auch über soziale Medien wie Instagram oder Pinterest. „Wenn sich die Frage der Identität an unseren Essgewohnheiten klären lässt, bedeutet das schlichtweg, dass unsere Wirklichkeit vor uns auf dem Teller liegt“, sagt Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. „Darin liegt die Erkenntnis, dass unser Essen stark mit unserer Vorstellung von uns selbst verknüpft ist – geprägt von unseren Werten, Gewohnheiten, unserer Persönlichkeit und unseren Prioritäten“.

 

Snackification und MiMas

Früher kam der berufstätige Vater um Punkt zwölf Uhr nach Hause, es gab das traditionelle Mittagessen mit Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise – nun, das war einmal. Heute sind wir ständig mobil, wir verwirklichen uns in Jobs, leben und wohnen flexibel. Angepasst an das digitale Zeitalter geht es oft hektisch zu. Klar, dass sich solch ein Alltag auch auf die Ernährung auswirkt. Die Lösung: Snacking. Und nein, damit sind nicht Schokolade und fettige Chips gemeint. Die neuen Snacks, die sogenannten Mini-Mahlzeiten (MiMas), sind gesund und lecker zugleich. Deren Konsum ist nicht mehr notwendigerweise an bestimmte Essenszeiten oder Orte gebunden. Auf den Tisch kommen Burger, Bowls, Ramen, spanische Tapas, levantinische Mezze oder japanische Bento-Boxen.

Die Esskultur, kleine, vielfältigere Gerichte und Häppchen zu sich zu nehmen, beeinflusst auch die „deutsche“ Idee einer Mahlzeit, die ursprünglich aus drei Gängen bestand. Heute wird gegessen, wenn Zeit dazu ist, man Appetit oder Hunger hat – alleine oder in der Gruppe. Die Gastronomie reagiert mehr und mehr darauf. Transparenz und regionale Zutaten sind wichtig. Bunte Bowls beispielsweise sind unbegrenzt vielfältig und bilden das Resultat aus Individualisierung, Mobilität und einer Esskultur, die stark auf Gesundheit gepolt ist. Der Konsument weiß, was er isst.

How I like

Das ist nicht nur ein Statement, sondern auch ein intelligenter Snack-Kühlschrank fürs Büro. Die beiden Gründer Sven Forgber und Martin Michenfelder gründeten das Start-Up My Minute Meal. Sie ärgerten sich darüber, dass sie einen Großteil ihrer Mittagspause mit der Essensbeschaffung verbrachten, statt sich gesund zu ernähren und zu erholen. Der Kühlschrank gibt gesunde Snacks her, wie Currys, Suppen, Nudelsalate etc. und Getränke. Und das jederzeit und auch noch bargeldlos. Die Hersteller des Kühlschrankes können sogar sehen, welche Produkte wann gewählt werden – für ein passgenaues Angebot.

 

Food-Art ermöglicht eine kritische Sicht

Kunst und Design stoßen Innovationen an und ermöglichen uns zugleich eine unabhängige, kritische Sicht auf Dinge. Mit Eat Art und Food-Design beschäftigt sich beispielsweise das Duo Honey & Bunny aus Österreich. Entdecken kann man ihre Arbeit seit Mai 2019 im Londoner Victoria and Albert Museum in einer umfassenden Ausstellung zum Thema Food Art und Eating-Design: „Food: Bigger than the Plate“ reicht von gastronomischen Experimenten bis zu neuen Urban-Farming-Projekten. Die Erkenntnisse der beiden soll vor allem zum Nach- und Umdenken anregen. Das Design-Duo beleuchtet damit kulinarische Genüsse, aber auch kritische Aspekte der Ernährungspolitik.

 

Ran an den Spaten: Urban Gardening

Frische Erdbeeren vom Dach eines Hochhauses oder einer Verkehrsinsel ernten? Das ist keine Seltenheit mehr. Die Natur kehrt in die Städte zurück: Mit Grünanlagen, Parks, Gärten etc. steigt die Lebensqualität in urbanen Gebieten. Durch Urban Gardening entsteht eine neue Bewegung. Denn Städte boomen weltweit: Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Jahr 2050 weltweit 68,4 Prozent der Menschen in Städten leben werden (United Nations 2018). Im Gegenzug schrumpfen die landwirtschaftlichen Anbauflächen immer weiter – laut des Umweltbundesamtes gehen jedes Jahr zehn Millionen Hektar Ackerfläche verloren (Umweltbundesamt 2015).

Urban Food kann also einerseits gemeinsames, idyllisches Gärtnern bedeuten, aber die Bewegung bringt auch neue, smarte Technologien mit sich, die nachhaltige und nützliche Ideen für die Zukunft bereitstellen.

 

Hauseigener Pilzanbau

Die amerikanische Firma Smallhold bietet Mini-Pilz-Farmen im Kühlschrank-Format an, die in Kellern von Restaurants, Supermärkten oder ähnlichem Platz finden können. Hier können diverse Arten von Pilzen biologisch gezüchtet werden. Das Wachstum der Pilze wird über Remote-Technologie gesteuert und ist somit auch für Pilz-Anfänger geeignet: Das Ergebnis: kiloweise Ernte und das jede Woche.

Smallhold.com

 

(Erd)beeren das ganze Jahr über

Das französisches Start-Up Agricool entwickelte sogenannte Cooltainer und ermöglichte damit die Ernte von Erdbeeren das ganze Jahr über. Dank Hydrokultur bei minimalem Wasser- und Energieverbrauch werden die Erdbeeren ohne Erde angebaut. Das Resultat: Frisches Obst, frei von Pestiziden und keine langen Transportwege.

agricool.co

 

Der Food-Dschungel

Wie sich das Thema Essen in der Zukunft entwickelt, bleibt also spannend! Finden Sie sich ernährungstechnisch zurecht? Hier gibt es Inspiration über Healthy Food allgemein oder wie wäre es mit leckeren, gesunden Frühlingsrezepten? Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken!

 

Quelle: Food Report 2020 (Zukunftsinstitut)

*Quelle: fleischwirtschaft.de