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Tipps bei Nachbarschaftsstreit

18. Juli 2019 / Zuhause
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Im Clinch mit den Nachbarn

Lärm- und Geruchsbelästigung, falsch geparkte Autos oder störende Dekorationen – die Liste der potenziellen Streitgründe zwischen Nachbarn ist lang und vielseitig. Tatsächlich ergebenen regelmäßige Studien, dass heutzutage jeder zweite Deutsche im Clinch mit seinen Nachbarn liegt. Und wer hätte das gedacht, dabei gibt es auch regionale Unterschiede: forsa verrät, dass überraschende Spitzenreiter im Ranking der streitlustigsten Deutschen die angeblich so nüchternen Norddeutschen (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) sind. 2017 etwa klagten über 54 Prozent über Probleme mit den Nachbarn. Im Vergleich hierzu aus dem gleichen Jahr hatten in den neuen Bundesländern nur 41 Prozent Erfahrungen mit Nachbarschaftsstreit.

 

Hauptgrund für Streitigkeiten: Lärmbelästigung

Der mit Abstand am häufigsten angegebene Grund für Nachbarschaftsstreit ist dabei Lärmbelästigung. Es folgen falsch geparkte Autos sowie missachtete nachbarschaftliche Pflichten (Gehweg vom Schnee befreien, Treppenhaus reinigen, Hecken schneiden). Hochsaison hat dabei erstaunlicherweise der Sommer – vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und reißenden Geduldsschnüren, wer weiß?

 

Nachbarschaftsstreit von vornherein vermeiden

Noch befindet sich Ihr Haus im Bau, da kann es schon Anlass für Streit bieten. Nachbarn müssen zwar Einschränkungen durch unvermeidbare Arbeiten während des Baus dulden, aber auch Sie als Bauherr haben Pflichten: Die Verkehrssicherungspflicht soll gewährleisten, dass Unbeteiligte nicht durch die Baustelle geschädigt werden. Das bedeutet, dass der Bauherr seine Baustelle sichern (lassen) muss. Ein einfaches „Betreten verboten“-Schild genügt hier nicht!

Hammerschlags- und Leiterrecht sollen Ihnen den Bau und die Wartung Ihres Hauses erleichtern. Um etwa die Fassade zu streichen oder ein Gerüst aufzustellen, muss Sie der Nachbar auch auf sein Grundstück lassen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Die bauliche Anlage, die errichtet oder gewartet werden soll, muss legal sein (für unrechtmäßig errichtete Bauten können Sie kein Recht einfordern).

Auch die Nachteile für den Nachbarn müssen vertretbar sein. Schäden am Nachbargrundstück (bauliche Anlagen, Pflasterungen und Bepflanzung) sind zu beheben, zudem müssen die Arbeiten schonend erfolgen, sprich: zügig, sauber und zu angemessenen Zeiten.

Wichtig: Das Grundstück einfach zu betreten und mit dem Aufbau des Gerüstes zu beginnen, geht nicht – Sie müssen Ihren Nachbarn vorher über Ihr Vorhaben informieren (Anzeigepflicht).

Licht, Luft & Lärm

Auch Licht kann stören. Achten Sie bei der Beleuchtung Ihres Grundstücks darauf, dass Ihre Außenbeleuchtung niemanden stört. Richten Sie das Licht auf Ihr Grundstück, stellen Sie die Beleuchtungsintervalle so kurz wie möglich ein und vermeiden Sie mögliche Blendungen. Flutlicht ins nachbarliche Schlafzimmer? Keine gute Idee!

Außerdem: Weder Hauseigentümer noch Mieter dürfen im Garten oder auf dem Balkon brutzeln, wie es ihnen gefällt. Zwar ist Grillen erlaubt, beim „wie oft“ entscheidet das Gericht aber  nicht einheitlich. Dringt Rauch konzentriert in Wohn- und Schlafräume, ziehen Richter klare Grenzen. Auch das Bundesimmissionsschutzgesetz fordert, schädliche Umwelteinwirkungen möglichst zu vermeiden.

Normale Kochgerüche aus der Küche müssen Nachbarn dagegen immer tolerieren. Auch das Rauchen auf dem eigenen Balkon gestehen Richter den Bewohnern (noch) zu.

Zum Thema Lärm gibt es gute Nachrichten für Familien: Prinzipiell dürfen Kinder laut toben. Uneinheitlich urteilen die Gerichte noch zu Spiel-Lärm in der Mittagsruhe, doch zunehmend zugunsten der Kinder. Zulässig sind Spielverbote etwa in Mietshäusern oder bei Eigentümergemeinschaften nur in Aufzügen, Fluren und Kellerräumen.

Und sonstige Lärmquellen? Berücksichtigen Sie die gesetzlichen Regelungen zur Ruhezeit und benutzen Sie laute Gartengeräte wie Rasenmäher und Häcksler nur werktags zwischen 7.00 und 20.00 Uhr. Die Arbeit mit Freischneidern oder Laubsaugern ist in den Randstunden (7.00 bis 9.00 Uhr, 13.00 bis 15.00 Uhr, 17.00 bis 20.00 Uhr) untersagt.

 

Nachbarschaftsrecht im Garten

In Ihrem Garten sind zwar Sie der Chef, dennoch ist Rücksicht im Zusammenleben geboten: Überhängende Äste des Nachbarn zum Beispiel dürfen Sie nicht einfach stutzen. Mahnen Sie den Baumschnitt beim Besitzer an, er muss sich selbst darum kümmern. Aber Achtung: Dulden Sie neu gepflanzte Bäume innerhalb der vorgeschriebenen Abstandsflächen länger als fünf Jahre, verjährt Ihr Anspruch auf Beseitigung.

Räum- und Streupflicht: Für die Verkehrssicherheit vor dem Haus ist zunächst die Gemeinde zuständig. Doch diese überträgt die Verantwortung oft auf den Anlieger, der dann Schnee und auch Laub vom Gehsteig entfernen muss – das gilt ausdrücklich auch für verwehtes Laub vom benachbarten Baum

Baumhäuser müssen Abstand halten: Zwar definieren Juristen Baumhäuser und andere „fliegende Bauten“ (wie Gartenhäuser) nicht als „Gebäude“, sondern als „sonstige Anlage“, aber auch für sie gelten die Abstandsflächen der Landesbauordnung. Wer dem Nachbarn zu nahe rückt, muss sein Häuschen unter Umständen wieder abreißen. Es lohnt also der Blick in die Bauordnung Ihres Bundeslandes. Hier finden Sie alle Infos sowie die gültigen Mindestabstände für Nebengebäude, Baumanpflanzungen und Garagen.

 

Auf gute Nachbarschaft

Im besten Fall versuchen Sie, möglichen Ärger erst gar nicht entstehen zu lassen. Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn über mögliche Pläne, die auch sie beeinträchtigen könnten, bevor konkrete Arbeiten und um Haus und Garten anstehen. Respektieren Sie dabei potenzielle Bedenken und suchen Sie gemeinsam eine Lösung. Dann klappt es hoffentlich noch lange mit dem Nachbarn.

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