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Jan Reuter Einrichtungen

Innenarchitekten
Magazin Lifestyle Restaurant-Avva
Photo – avva Restaurant
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Kind of Magic...

Sie sagen, am Anfang jeder Zusammenarbeit mit Ihnen steht das Gespräch. Welche Informationen sind für Sie wichtig und wie gehen Sie weiter vor, um Charakter und Charisma einer Person auch in den Räumen zum Tragen zu bringen?
Natürlich sind die ‚harten Fakten’ sehr wichtig: Wer ist der Auftraggeber, wer sind die Nutzer, was sind die Nutzungsbedürfnisse, gibt es einen angestrebten Zeitrahmen... Darüber hinaus ist es aber auch sehr wichtig, ein Gespür für den Auftraggeber und die Nutzer zu entwickeln. Bei privaten Objekten zum Beispiel ist es sogar noch wichtiger als bei einem gewerblichen Objekt, dass die Einrichtung zum Nutzer passt und dieser nicht wie ein Fremdkörper in seinem eigenen Zuhause wirkt. Das heißt, eine private Einrichtung darf – ich finde, sie soll sogar – sehr subjektiv werden. Im Kontrast dazu finde ich es falsch, wenn eine Arztpraxis zu „persönlich“ gestaltet ist, weil ich als Arzt meinen Patient in den Vordergrund stellen sollte und nicht mich selbst. Ein Restaurant liegt meiner Meinung nach gestalterisch genau dazwischen. Es sollte persönlich, subjektiv und einzigartig sein und darf Rückschlüsse auf den Gastwirt zulassen, aber es sollte auch dem Gast genügend Raum lassen, selbst wirken zu dürfen.

Welchen Herausforderungen standen Sie beim Gestalten der Räume des neuen südafrikanischen Restaurants „avva“ im Münchner Glockenbachviertel gegenüber?
Im Gespräch mit den Projektbeteiligten entstehen bei mir sofort und quasi von ganz selbst Bilder im Kopf, insofern ist die Konzeptionierung halb Spiel und halb Arbeit. Es fällt mir auch nicht schwer, von Bildern wieder abzulassen und neue Bilder entstehen zu lassen. Die Herausforderungen liegen für mich daher eher auf der technischen Seite, und da habe ich zum Glück die Möglichkeit, mir fachmännische Unterstützung in allen Bereichen zu holen.

Wie würden Sie das Konzept des „avva“ beschreiben?
Zeitgenössisch, aber mit klarem Bezug zur Entstehungszeit des Gebäudes. Sachlich und klar, die Raumgliederung betreffend. Verspielt in einzelnen Gestaltungselementen. Warme Materialien und Farben. Sowohl im Design als auch in der Kunst (von Daniel Mann) nehmen wir sehr stark Bezug auf die Frauenrechtsbewegung, die Anti-Apartheitsbewegung und auf das Ende der Apartheit in Südafrika. Und wir spielen mit dem Thema Mensch/Natur. Viele dieser Themen behandeln wir so subtil, dass wir sie dem Gast nicht aufdrängen, aber auf Rückfrage Inhalte liefern können.

Das Restaurant besticht durch warme Farben und liebevolle Details. Inwieweit ist das Menu eines Restaurants entscheidend für Ihre Farb- und Materialauswahl?
Der Stil von Küche und Einrichtung bezieht sich in der Regel auf den Betreiber. Bei „avva“ war es so, dass die Gerichte sehr spielerisch sind, deshalb habe ich versucht, die unmittelbare Umgebung rund um den Tisch sehr ruhig zu halten, damit der Teller besser zur Geltung kommen kann. Alle dekorativen Details sind akzentuiert und eher als Zitate eingesetzt. Dadurch, dass das „avva“ nur abends geöffnet hat, war die Entscheidung sehr einfach, warme und dunkle Räume zu gestalten. Diese Räume funktionieren am besten, wenn es draußen bereits dunkel ist.

Was waren Ihre bevorzugten Materialien bei diesem Projekt?
Alle Wände und Regale sind stumpfmatt gestrichen oder mit Pinselstich lackiert. Dadurch entsteht eine sehr einheitliche und ruhige Atmosphäre. Alle Materialien, die sich von diesem Fond abheben, sollen klar in ihren Materialeigenheiten kenntlich sein, wie zum Beispiel roher (nicht geölter) Ahorn, farbiger Kunststoff, Aluminium oder auch verzinktes Blech...

Was unterscheidet das „avva“ in puncto Atmosphäre von anderen Restaurants dieser Kategorie?
Ich denke die Mischung aus sehr strengen Formen und sehr warmen Materialien und Farben.

Jan Reuter

Manche Menschen haben – ungerecht genug – einfach mehr als „nur“ ein Talent. So zum Beispiel Jan Reuter aus München, der mit Jan Reuter Einrichtungen ganz unterschiedliche Wohn- und Lebensträume wahr werden lässt. Neben einem offensichtlichen Händchen für Stil und Ästhetik bringt dieser Mann nämlich auch noch ganz schön viel Humor mit. Davon konnten wir uns im Interview mit ihm überzeugen...
Jan Reuter Einrichtungen in München bietet Inneneinrichtungen auf hohem Niveau – mit dem Ziel, Räume zu gestalten, die den Kunden durch Charakter und Wertigkeit langfristig Freude bereiten. Und das sowohl in privaten als auch in öffentlichen Räumen. Neben der Gestaltung des Goethe Instituts in Prag und zahlreichen Privathäusern und -wohnungen zeichnen Reuter und sein Team auch für das gerade eröffnete südafrikanische Restaurant „avva“ im Münchner Glockenbachviertel verantwortlich.

Restaurant
Handspiegel an der Wand
Regal

Wie sie zu Beginn bereits gesagt haben, ist das Eirichten eines Restaurants nicht das gleiche wie das Einrichten einer Privatwohnung. Welche Kriterien beachten Sie besonders beim Gestalten von öffentlichen Räumen?
Es gibt natürlich gesetzliche Vorgaben, die man einhalten muss, aber ansonsten ist für mich jedes Projekt einzigartig. Es gilt immer das Objekt, die Ideen des Kunden, die formalen Anforderungen der Nutzung und die eigene Ideen zu dem Objekt abzugleichen, zu synchronisieren und dafür eine angemessene Umsetzung zu finden. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass ich bei öffentlichen Objekten skulpturaler und stilreiner arbeite als bei Privatobjekten. Bei denen ich gerade eine zu große Stilreinheit als störend empfinde.

Stichpunkt Lichtquellen: Wie setze ich diese am besten ein, um eine ganz besondere Atmosphäre zu erzielen, die trotzdem auch funktional ist?
Man sollte zuerst das Lichtbedürfnis des Kunden beziehungsweise den Lichtbedarf des Objektes ermitteln, also ob hell/dunkel, warm/kalt, ebenmäßig/punktuell, und dann das eigentliche Lichtkonzept erstellen. Danach empfehle ich erst die technisch und ästhetisch passenden Leuchten zu suchen und diese im Raum so platzieren, dass sie das Lichtkonzept bestmöglich umsetzen, aber auch – wenn sie sichtbar sind – als Einrichtungsgegenstand eine gute Figur machen.

An welches Projekt denken Sie besonders gerne zurück?
Wenn ein Projekt fertig ist, lasse ich es los und bin auch sehr entspannt damit, dass der Kunde die Räume in Nutzung nimmt und Dinge verändert. Deswegen denke ich an viele Projekte gar nicht mehr und vergesse nahezu, dass ich sie realisiert habe. An andere Projekte wie zum Beispiel an ein Haus am Tegernsee werde ich beständig erinnert, weil das Projekt sehr öffentlichkeitswirksam ist und viel publiziert wird. In wieder anderen Objekten verbringe ich sehr viel Zeit, weil ich mit den Kunden befreundet bin und vergesse aber völlig, dass ich dieses Haus eingerichtet habe.

Generell bin ich aber sehr kritisch mit mir selbst und sehe ganz häufig eher die Mängel an meine Projekten beziehungsweise das, was man hätte noch besser machen können. Wenn ich Projekte von Kollegen sehe, bin ich häufig sehr geflashed und denke mir: „Das wäre mir nie eingefallen. Wow, ist der gut!“ Manchmal aber sehe ich alte Projekte von mir selbst, zu denen ich mittlerweile schon Distanz habe und denke mir: „Das hast Du gestaltet? Wow, bist Du gut!“

Wann würden Sie eine Zusammenarbeit ablehnen?
Ich versuche mich in den Kunden einzufühlen und Empathie zu empfinden, damit ich seinen Bedürfnissen gerecht werden kann. Wenn der Kunde aber extremen Stimmungs- und/oder Meinungsschwankungen unterliegt oder respektlos ist, wirft mich das so aus der Bahn, dass es sich sehr stark auf meine privates Wohlempfinden auswirkt. Aus diesem Grund habe ich in 20 Berufsjahren drei Mal die Zusammenarbeit beendet.

Wenn ich im Gespräch mit dem Kunden herausfinde, dass unsere Vorstellungen vom Arbeitsprozess und/oder dem Endergebnis nicht in Einklang zu bringen ist, versuche ich dem Kunden zu helfen, einen Planer zu finden, der besser mit seiner Bedürfnislage zusammen passt.

Welche Eigenschaften braucht man für Ihren Beruf?
Eine gewisse Unerschrockenheit, die mir leider fehlt – ich bin ein ziemlicher Hasenfuß. Um das beste Ergebnis zu erzielen, muss man sich häufig auf noch nicht betretenem Terrain bewegen. Außerdem Beharrungsvermögen: Auf einer Baustelle wird man jeden Tag etliche Male damit konfrontiert zu entscheiden, ob man sich mit einem Ergebnis zufrieden gibt, oder ob man darum kämpft, etwas, das gerade gebaut wurde, wieder zu zerstören und es noch einmal besser bauen zu lassen.

Weiter braucht es Einfühlungsvermögen, in den Kunden, in das Objekt und in die Handwerker. Und letztendlich wäre guter Geschmack auch nicht hinderlich.

Ihre persönlichen Top-3-Einrichtungstipps:
Nimm Dich und Deine Bedürfnisse ernst. Wenn du ehrlich zu dir selbst bist und deine Bedürfnisse respektierst, dann hast du am ehesten die Chance, das zu bekommen, was dir gerecht wird. Wenn ich zum Beispiel Hummelfiguren und Blumenstoffe liebe, aber als moderner, designinteressierter Mensch wahrgenommen werden möchte, steht das in einem Wiederspruch zueinander, mit dem ich mich auseinandersetzen und umgehen muss. Wenn ich mir selbst dann eine sachliche, an Design-Ikonen orientierte Einrichtung verordne, bekomme ich die erwünschte Akzeptanz für etwas, das ich gar nicht bin, und fühle mich auch noch dazu nicht wohl in meiner Wohnumgebung

Ein weiterer Tipp: Hol dir nicht zu jedem Thema zehn Meinungen ein, das kann zu keinem guten Ergebnis führen. Und: Trau Deinem eigenen Farbempfinden! Die Farben, die du magst sind die Farben, die dir gut tun. Das heißt aber nicht, dass diese Farben zwangsläufig deine Einrichtung dominieren müssen, häufig reicht es beziehungsweise ist es besser, diese Farben nur in kleine Mengen zu verwenden. Aber Farben, die Du nicht magst, solltest Du auch NIE in der Einrichtung verwenden!

Ihr persönliches Einrichtungs-No-Go:
Mein persönliches No-Go sind zu volle Räume und zu wenig Stauraum für die Menge an Dingen, die ich habe oder haben möchte. Wenn der Stauraum nicht reicht, müssen Dinge weg. Der  Schrank muss auch befüllt noch ordentlich und strukturiert aussehen. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Lieber Jan Reuter, wir danken sehr für das nette Interview!

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