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Ein New Yorker in Köln

Innenarchitekten
Magazin Portraits DasHaus
Foto: Koelnmesse/Todd Bracher
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Designer Todd Bracher

 

„I am trying to bring humanity to the surface not as an American just as a designer“

New Yorker Lässigkeit zu Gast auf der Möbelmesse in Köln: Designer Todd Bracher ist sympathisch, erfolgreich und so verwundert es kaum, dass ihm in diesem Jahr das Prestigeprojekt der imm cologne, „Das Haus – Interiors on Stage“, übergeben wurde. Der 42-jährige bringt internationales Flair nach Köln: Für seinen Master zog er nach Kopenhagen. Schnell verliebte er sich in das kleine skandinavische Land und arbeitete noch einige Zeit als Creative Director für Georg Jensen. Danach lebte und arbeitete er in Mailand, Paris, Reims und London. Seit der Gründung seines eigenen Studios 2007 in Brooklyn kooperiert er mit Marken wie Cappellini, Fritz Hansen, Issey Miyake und Zanotta. Wie viel Amerika steckt eigentlich noch in ihm und in „Das Haus“ 2017? Wir haben den Designer auf der imm cologne getroffen und seiner Interpretation von zeitgenössischem Leben gelauscht.

 

 

Schnell wird klar, dass hier amerikanische auf europäische Einflüsse treffen: Der diesjährige Entwurf steht unter dem Motto „open-plan living“. Dieses Konzept kommt aus den USA, man denke nur an die typischen „Studios“ in New York. Offenes Leben ist durchaus möglich im „Das Haus“, denn es besteht aus drei Zonen, die nur durch sanfte Grenzen voneinander getrennt sind. Im größten Raum des Hauses, der Nahrungszone, geht es nicht wie zunächst vermutet um Essen. Todd Bracher möchte Denkanstöße geben. So sind die vielen ausgestellten Objekte keine Dekoration, sondern Lernobjekte. Wir sehen Natursteine, unbehandeltes Holz, Werkzeuge, etc... „Hier kann man kurzerhand ein Motorrad reparieren.“, so die Vorstellung des Designers. Er möchte, dass wir uns ständig weiterbilden. So will er seinem dreijährigen Sohn nicht nur Bücher vorlesen, sondern die wirkliche Welt zeigen.


Der Hygiene-Bereich befindet sich außerhalb des Hauses. Die Idee dahinter: man ist tief verbunden mit der Natur und duscht nicht in einer Art Glasbox – back to the roots eben. Zum Abschalten hat Bracher zuletzt noch eine Ruhezone entworfen, einen Raum zum Entspannen, Schlafen oder Meditieren. Jedes Möbelstück, entworfen von Designikonen wie Jasper Morrison oder Charles Eames, hat dabei eine ganz spezielle Funktion.

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Foto 1 & 5: Koelnmesse/Todd Bracher / Foto 2 & 3: Koelnmesse / Foto 6: Koelnmesse/Harald Fleissner
Foto 1: Entwurf 'Das Haus' / Foto 4: Nahrungszone / Foto 5: Sketch Todd Bracher / Foto 6: 'Das Haus' auf der imm cologne

Todd Bracher erzählt uns, dass „Das Haus“ einige Besucher an japanische Architektur oder, durch das viele helle Holz, an ein skandinavisches Wohnkonzept erinnert. Und damit liegen die Besucher genau richtig, denn für den Designer ist es unwichtig, welche Stilrichtung durchkommt – ihm geht es um ganz etwas Anderes: Sein Haus will er „humanistisch“ und eigentlich so ganz und gar nicht amerikanisch gestalten. „In Japan und in Skandinavien ist die Kultur sehr eng mit der Natur verbunden“, so Todd Bracher.

Die Naturverbundenheit wird durch die Gesamtkonstruktion aus Holz unterstützt. Weiter ist die Außenseite mit einem semitransparenten, burgunderfarbenen Stoff  bespannt, der an Muskeln erinnern soll, an etwas organisches. „Das Haus“ soll willkommen heißen, freundlich sein.

Die empfundenen Einflüsse kommen wahrscheinlich daher, dass Todd Bracher lange in Dänemark gewohnt hat. „Ich habe mich für Dänemark entschieden, als ich noch nicht viel über Möbeldesign wusste, aber immer wieder dänisches Design in Büchern gesehen habe, das ehrlich und wirklich zeitlos war. Da wusste ich, dass ich unbedingt nach Dänemark wollte.“

Die dänische Lebensart, aber auch das Design, hatte es ihm angetan. So ist eines seiner Lieblingsstücke eine dänische Herzensangelegenheit. Als ein junges Geschwisterpaar in Dänemark die Möbel der Großmutter auf der Straße verkaufte, macht er eine tolle Entdeckung: ein originaler Stuhl von Poul Kjaerholm. Er erstand ihn für einen unglaublich günstigen Preis. Den Stuhl gibt es heute noch, nur steht das zeitlose Stück in einem New Yorker Apartment. So hat Todd Bracher neben ganz viel Wissen über skandinavisches Design auch ein kleines Stück Dänemark mit in seine amerikanische Heimat gebracht.

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