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Happy Birthday, Charles Eames!

Designer

Die Designlegende wird 110 – eine gigantische Werkschau feiert ihn und seine Frau Ray

Charles Eames

Designer

Wäre das legendäre, amerikanische Designerpaar Ray und Charles Eames noch am Leben, hätten sie es sich sicher nicht nehmen lassen, die Ausstellung „An Eames Celebration“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu eröffnen. Nicht nur weil ihr Werk dort noch bis Ende Februar 2018 so umfassend beleuchtet wird wie noch nie. Sondern auch, weil Charles Eames gerne im Rampenlicht stand. Auch diesmal, anlässlich seines 110. Geburtstages, hätte er sicher wieder eine Rede gehalten, ihm wären vor passioniertem Rednertum seine lockigen Haare ins braun gebrannte Gesicht gefallen und er hätte sie spitzbübisch und mit einem Lächeln wieder zurückgeschoben.

Diese Fröhlichkeit wich dem studierten Architekten nie aus dem Gesicht: Er und seine Frau teilten ein gewisses Dauergrinsen, dass nie gekünstelt wirkte. Und das, obwohl es eigentlich kaum Zeit für Entspannung gab bei den Eames: Bereits kurz nachdem sie sich 1940 kennenlernten, gewann Charles einen bedeutenden Designwettbewerb und wurde international gefragt. Ray war zu Beginn der 40er Jahre eine gefragte Künstlerin, in New Yorker Kunstkreisen tief vernetzt, befreundet mit Jackson Pollock… Doch schon mit ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Charles begann ihre Liebe und ihr kongeniales Zusammenspiel: Sie experimentierten mit unterschiedlichen Materialien und Werkstoffen, schrieben Bücher, schufen Ausstellungen und drehten Filme… Beide wollten die Welt um sich herum erforschen und ein Stückchen besser machen. Diese Neugierde trieb sie an – selbst dann noch, als ihr Heimatland tief im Zweiten Weltkrieg steckte. In dieser Zeit widmeten sie sich der Entwicklung von Flugzeugteilen und Beinschienen, doch verschenkten auch diese Erfahrung nicht. Stattdessen guckten sie sich bei ihrer Fertigung einiges ab für spätere Möbelproduktionen.

Die Eames hatten ein Mantra, sie wollten „im Moment leben, aber die Zukunft verändern“ – und das taten sie. Ende der 40er Jahre verformten sie beispielweise erstmals Schichtholz und brachten es in organische Formen. Wenig später konnten sie Fiberglas, das bis dato nur für Radarschirme verwendet wurde, für Möbel nutzbar machen. Danach erforschten sie den Aluminiumguss und die Eigenschaften von Drahtgitter. Fast immer entstanden aus diesen Experimenten Meilensteine im Möbeldesign. Doch Ray und Charles Eames bildeten sich auf ihren Erfolg nichts ein. Auf die Frage nach ihrem Geheimnis antwortete Charles beispielweise: „Unser Trick? Wir studieren doch nur… Immer und immer wieder.“ Mitarbeiter des Eames Studios berichteten, dass selten vor 23.00 Uhr abends das Licht ausging. Kaffeetrinken jenseits der Mittagspause war verpönt… Wer jetzt denkt, die Eames wären spaßarme Workaholics gewesen, irrt: Sie teilten nur eine nimmersatte Neugierde. Darüber hinaus wurde aber viel gelacht und herum geblödelt. Das kann man auch daran erkennen, dass sich Charles und Ray Eames auf Fotos gerne in komischen Posen ablichten ließen, oder kindisch durch ein Porträtbild sprangen.

„Take your pleasures seriously!“ sagte Charles Eames einst – auch deshalb entwarf er gemeinsam mit seiner Frau Spielzeug für Kinder (und Erwachsene). Ihr Schaffen sollte nämlich für alle von Nutzen sein und nicht nur einem ausgewählten Publikum. Sie sahen sich als Vordenker und Lehrer und überschritten gerne die Grenzen zwischen Design, Kunst, Technik und Naturwissenschaften. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ihre Möbel alle zu Ikonen geworden sind: Weil sie das beste verschiedener Disziplinen vereinen, technisch perfekt sind, aber auch von einer herausragenden Ästhetik, dazu ausgefallene Werkstoffe haben und Komfort groß schreiben… Sie sind Alleskönner – genau wie ihre Schöpfer.

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