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Bauhaus-Serie: Das Rosenthal-Werk am Rotbühl

5. April 2019 / Architektur
Presenter SM Rosenthal
Bild: Rosenthal GmbH; Feig FotoDesign
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Gropius meets Rosenthal

Haben Sie sich zufällig schon einmal in die kleine Stadt Selb im bayerischen Fichtelgebirge „verirrt“? Sollten Sie unbedingt, denn neben wunderschöner Natur finden Sie hier mit der Porzellanfabrik der Rosenthal GmbH auch eines der wichtigsten Spätwerke des Bauhaus-Begründers Walter Gropius.

 

Gropius, zur Erinnerung, galt als einer der bedeutendsten Architekten und Gründer des Bauhauses. Das moderne Industriegebäude von Rosenthal, das 1967 eröffnet wurde, entwarf er gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Architekturbüro The Architects Collaborative (TAC). Es gilt als absolut wegweisend für die Industriearchitektur der Nachkriegszeit und ist ein seltenes Zeugnis des Bauhauses in Bayern.

Funktional und schlicht

Und man kann deutlich sehen, aus wessen Feder der Entwurf stammt: Der eingeschossige Stahlbetonskelettbau spricht eindeutig für die für Gropius und das Bauhaus typische, moderne Architektursprache. Klare Formen, helle Kuben, hohe Fensterelemente, Flachdächer – das Rosenthal-Fabrikgebäude ist funktional und schlicht gehalten und hat dennoch eine einladende, offene Wirkung auf seine Besucher. Gestalterisch sticht besonders das Eingangsportal mit seinem markanten Flügeldach hervor.

 

Und auch der Innenbereich „spricht“ Gropius: So findet sich inmitten der Anlage ein achteckiges Tropenhaus, das die Vorliebe des Architekten für organische Formen aufgreift. Es wird erzählt, dass hier unter der Glasdachkonstruktion damals sogar Flamingos umherstolzierten...

Zur Anlage, die wie eine Skulptur in die Landschaft eingebettet ist, gehörte außerdem ein zweigeschossiges „Feierabendhaus“ mit Kantine, Tischtennisplatten und Bibliothek – die praktische Umsetzung der Idee einer ganzheitlichen, menschlichen Gestaltung der Lebens- und Arbeitswelt, die Gropius in seinem Spätwerk gerne propagierte.

Andererseits ist die arbeiterfreundliche, fortschrittlich designte Industriestätte auch das Resultat der engen Kollaboration mit dem Bauherren Philip Rosenthal, der wiederum gerne mit Architekten, Künstlern und Produktdesignern zusammen arbeitete und wie Gropius die soziale Funktion von Architektur und Gestaltung förderte.

 

Der Freundschaft zwischen Gropius und Rosenthal ist auch die Erschaffung der Porzellanserie TAC geschuldet, die seit 1969 als Designklassiker gilt.

Die unter Denkmalschutz stehende Fabrik in Selb ist nach wie vor in Betrieb und kann zumindest von außen besichtigt werden.

 

 

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