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Konzerthaus Blaibach

Architektur
Konzerthaus Presenter2
Fotocredit: Edward Beierle
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Musikbox auf dem Dorfplatz

Meist sagen sie auch „unsere Schuhschachtel“, denn die Blaibacher sind stolz auf ihr Konzerthaus, an dessen Entstehen sie mitwirken durften und das nun international Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Konzerthaus von Blaibach steht mitten auf dem kleinen Ortsplatz des 2000-Seelen-Dorfes, gegenüber von Kirche, Pfarrhof und Metzgerei. Über einen Kiesplatz geht man knirschend auf eine steile Treppe zu, die runter zum unprätentiösen Eingang des Konzerthauses führt. Abends ist der Schacht hinunter hell erleuchtet, aber ein protziges Portal sucht man hier vergebens: Denn der Architekt, Peter Haimerl, ist ein Mann der leisen Töne.

"Wenn die Blaibacher von ihrem Konzerthaus sprechen, dann nennen sie es manchmal „Schuhschachtel“ - aber sie sagen das immer mit einem liebevollen Unterton in der Stimme."

 

Peter Haimerl schätzt subtile Lösungen — so überrascht es auch nicht, dass er sich für Blaibach ein Konzerthaus erdachte, dass von außen auf den ersten Blick tatsächlich wie eine nach hinten gekippte Schachtel anmutet. Diese Form ist der Topographie des Bauplatzes geschuldet, aber die abschüssige Ausrichtung hat auch zur Folge, dass das Konzerthaus nicht hoch hinausragt, sondern sich sanft in die Umgebung einfügt. Als Referenz an die Bautradition von Blaibach sind die Außenwände des Konzerthauses aus Granitbrocken gefertigt, die in ein Betonbett eingelassen wurden. Alle übrigen Wände sind allerdings aus vorgegossenen Sichtbeton-Elementen gefertigt, teilweise auch aus einem Betongemisch, dem recyceltes Glas beigemengt wurde. So kommt es, dass die Betonwände des Konzerthauses nicht eintönig und schlichtgrau sind: Sie haben Struktur, an manchen Stellen zeigen sie sogar eine Maserung. Weil glatte Betonwände aber in Sachen Akustik alles andere als ideal sind, musste hier mit Mitteln der Architektur gezaubert werden: Die mehrfach gekippten Wände und Decken garantieren neben dem optischen, nun auch allerfeinsten Hör-Genuss.

Wer ein Konzert in Blaibach besucht, der wird seine Augen allerdings nicht so schnell schließen können. Denn die außergewöhnliche Architektur wird im Zusammenspiel mit der Musik zum genreübergreifenden Erlebnis: Es beginnt schon, wenn man auf das Gebäude zuläuft, aber spätestens wenn man das Foyer betritt, das mit Holz ausgekleidet wurde, erliegt man dem eigensinnigen Charme des Konzerthauses. Man wird wie automatisch durch die Gänge zum Konzertsaal geleitet, den man auf Bühnenebene betritt. Eine hauchdünne Stahltreppe führt die Ränge hinauf zu den minimalistischen Stuhlreihen, die zweihundert Besuchern einen Drahtstuhlplatz bieten. Gepolsterte Samtsessel mit Armlehnen oder ähnlichen altbekannten Komfort sucht man hier vergebens. Auch Kronleuchter oder goldene Lüster, an die man sich in Konzertsälen so gewöhnt hat, gibt es in Blaibach nicht. Das Licht fällt aus den Schächten und Ritzen des verschachtelten Baus in den Saal. Was so archaisch klingt und sich im ersten Moment auch tatsächlich ein bisschen anfühlt, als wäre man in einem Iglu, ist spätestens dann Nebensache, wenn die Vorstellung beginnt und Menschen und Musik den Raum füllen.

Fotocredit: Edward Beierle

Skizze
Fotocredit: Edward Beierle
Blaibach Kachel
Blaibach3
Blaibach4
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