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Spuren der Moderne

Architektur
Aalto Presenter-allgemein
Photo – Alvar Aalto Museum
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Alvar Aaltos Home Office

Dieses Gebäude ist eine Ikone  aber als würde es von seinem Ruhm nichts wissen wollen, dreht es der Straße den Rücken zu. Nähert man sich als Besucher diesem Wohnhaus in Helsinki, sieht man deshalb erstmal nicht viel: Weiß getünchte Backsteinwände, eine dunkle Holzfassade, ein wild begrünter Kiesweg und eine Eingangstreppe aus zwei Felsfindlingen. Doch öffnet sich die schmale Birkenholztür, ist man tatsächlich im Zuhause eines der berühmtesten Architekten des letzten Jahrtausends: Willkommen bei Alvar Aalto!

Durch das unprätentiöse Empfangsbüro des finnischen Architekten und zwei schmale Holzstufen gelangt man direkt in das Büro, wo Aalto in den 30er Jahren die Gebäude und Möbelstücke entwarf, die seinen Weltruhm auslösen sollten: Darunter das Paimio Sanatorium und die Bugholzsessel für Artek (das Designunternehmen, welches er mit drei Mitstreitern gründete). Der kleine Arbeitsraum, ein lichtdurchfluteter Raum, gab einst um die zehn Leuten einen Arbeitsplatz. Damit es nicht zu eng wurde, legte Aalto darin unterschiedliche Eben an: So gelangt man von dem Büro aus in die kleine Bibliothek des Hauses und auf die Maisonette-Ebene. Hier oben soll sich der Meister selbst so gut wie nie aufgehalten haben, er saß lieber in einer Ecke des Raumes oder zog sich in seine privaten Gemächer zurück. Denn Alvar Aalto lebte schon damals, was man heute so neumodisch „Homeoffice“ nennt.


Nur von einer Schiebetür vom Büro abgeschirmt, erstrecken sich seine privaten Wohnräume: Ein Wohnzimmer mit Berber-Teppich, Ohrensessel und Grünpflanzen vor dem Panoramafenster, ein Esszimmer mit ausklappbarem Tisch für die Abende, wo Gäste im Haus waren. Im Obergeschoss dann die Schlafzimmer mit ihren schlichten Birkenholzmöbeln, ein Ankleidezimmer, Badezimmer, ein offener Wohnraum mit Kamin und einer großzügigen Dachterrasse. Das, was dieses Haus damals so modern machte, nimmt man heute als nahezu selbstverständlich hin: Die Aufteilung in mehrere Ebenen, seine fließenden Übergänge, das viele Tageslicht, das durch die riesigen Fensterfronten einfällt, die begrünten Außenwände… Die Details aber, die stechen noch immer ins Auge: Abgerundete Kanten an den Möbeln im schmalen Flur, die Oberlichter im Ankleidezimmer, die Türgriffe mit Hinterhaken-Schutz, die speziellen Pflanztische für Zimmergrün über der Heizung… Alvar Aalto durchdachte seine Gebäude bis hin zu Kleinigstkeiten, gab sich nie mit dem Bestehenden zufrieden.


Auch deshalb entwarf der Architekt viele Möbel selbst – weil er nicht fand, was er suchte. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Tischler Otto Korhonen, experimentierte Aalto beispielweise so lange mit Birkenholz, bis sie es in geschwungene Formen biegen konnte. (Die hatten es ihm nämlich irgendwie angetan…). Auch in seinem zweiten Helsinkier Studio, finden sich die abgerundeten Formen: In Form eines Gebäudeflügels, der als Studio Alvar Aaltos’ dienen sollte und sich um den Garten schwingt. Die so eingeschlossene Natur erinnert dadurch fast an ein Amphitheater, die angelegten Stufen darin unterstützen diesen Eindruck. Doch zu ausgelassenen Freizeitbeschäftigungen kamen Alvar Aalto und seine Mitarbeiter nicht: Sie schufen damals so berühmte Bauwerke wie die Finlandia Hall in Helsinki, die Oper in Essen, das Haus der Kunstsammlerin Maire Gullichsen… Hätten sie gewusst, dass Jahrzehnte später immer noch Menschen staunend davorstehen würden, um sie zu bewundern, vielleicht hätten sie kurz innegehalten und sich auf die Schulter geklopft. Denn das was wir jetzt als modern begreifen (offenes Wohnen, Indoor-Gardening, Stil-Collagen…), lebten Alvar Aalto und sein Team schon damals.

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Photo 1 – Heikki Havas © Alvar Aalto Museum; Photo 2 – Artek; Photo 3 – Wolfgang Heine © Alvar Aalto Museum; Photo 4 – iittala

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